Einleitung

Künstliche Intelligenz begegnet uns heute fast überall - auch im Saarland. Sprachassistenten beantworten Fragen, Navigationssysteme berechnen die beste Route und Computerprogramme unterstützen Menschen bei vielen Aufgaben. Doch woher stammt der Begriff „Künstliche Intelligenz“? Und was verstand man früher darunter?

Die Geschichte der Künstlichen Intelligenz umfasst zahlreiche Personen, Ideen und Entwicklungen aus verschiedenen Fachgebieten. Um einige wichtige Grundideen verständlich darzustellen, konzentriert sich dieser Artikel auf ausgewählte Aspekte und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Die Idee intelligenter Maschinen ist älter als die KI-Forschung

icon Der Wunsch, künstliche Wesen mit menschenähnlichen Fähigkeiten zu erschaffen, begleitet die Menschheit seit Jahrtausenden. Schon in der Antike erzählten Mythen von künstlich geschaffenen Dienern und mechanischen Wesen.

Später beschäftigten sich Philosophen und Wissenschaftler mit der Frage, ob menschliches Denken festen Regeln folgt. Wenn Denken nach bestimmten Regeln funktioniert, könnte es vielleicht auch von einer Maschine ausgeführt werden.

Im 17. Jahrhundert entwickelte Gottfried Wilhelm Leibniz die Vorstellung, dass logisches Denken eines Tages durch eine Art Rechenmaschine unterstützt werden könnte. Im 19. Jahrhundert entwarf Charles Babbage mit seiner Analytical Engine die Idee eines programmierbaren Rechners. Seine Mitarbeiterin Ada Lovelace erkannte bereits, dass solche Maschinen möglicherweise weit mehr leisten könnten als reine Berechnungen.

Damals sprach jedoch noch niemand von „Künstlicher Intelligenz“. Begriffe wie Denkmaschine, Rechenmaschine, Automat oder mechanisches Denken waren gebräuchlicher. Erst mit dem Aufkommen leistungsfähiger Computer entstand die Vorstellung, menschliche Intelligenz gezielt mit Maschinen nachzubilden.

Die Geburtsstunde der Künstlichen Intelligenz

Als offizieller Beginn der KI-Forschung gilt die sogenannte Dartmouth-Konferenz im Jahr 1956 in den USA. Dort verwendete der Informatiker und Mathematiker John McCarthy erstmals den Begriff „Artificial Intelligence“ – also „Künstliche Intelligenz“.

Die Forscher gingen davon aus, dass Aspekte menschlicher Intelligenz – etwa Lernen, Problemlösen oder logisches Schlussfolgern – so beschrieben werden können, dass Maschinen sie nachbilden oder simulieren können. Damit entstand ein neues Forschungsgebiet, das bis heute die Informatik prägt.

Die frühen Ideen der KI entstanden nicht aus einem einzelnen Fachgebiet. Einen wichtigen Einfluss hatten unter anderem die Mess- und Regeltechnik sowie die Kybernetik. Beide beschäftigten sich mit der Frage, wie Maschinen Informationen aufnehmen, verarbeiten und auf ihre Umgebung reagieren können.

Von der Mess- und Regeltechnik zum Agenten

icon Ein einfaches Beispiel aus der Mess- und Regeltechnik ist ein Thermostat. Ein Sensor misst die Raumtemperatur. Die Regelung vergleicht den gemessenen Wert mit der gewünschten Temperatur und entscheidet, ob die Heizung ein- oder ausgeschaltet werden soll. Anschließend wird erneut gemessen und der Vorgang wiederholt sich.

In der Künstlichen Intelligenz spricht man häufig von sogenannten Agenten. Ein Agent nimmt seine Umgebung wahr (z. B. Thermostat, Kamera usw), trifft Entscheidungen und führt Aktionen aus, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Ein sehr einfacher Agent könnte die Aufgabe haben, mehrere leere Räume zu reinigen. Sensoren prüfen, ob sich im aktuellen Raum noch Schmutz befindet. Ist dies der Fall, wird gereinigt. Ist der Raum sauber, fährt der Agent in den nächsten Raum. Dort beginnt der Ablauf erneut.

Betrachtet man dieses Beispiel, fällt auf, dass das Grundprinzip dem Thermostat sehr ähnelt: Informationen werden erfasst, anhand vorgegebener Regeln ausgewertet und anschließend eine Aktion ausgeführt. Viele frühe KI-Systeme arbeiteten nach genau diesem Muster.

Deshalb erscheint die Grenze zwischen einfacher Künstlicher Intelligenz, Automatisierung sowie Mess- und Regeltechnik bei dieser Betrachtung oft fließend. Viele der damaligen Systeme bestanden im Wesentlichen aus festen Regeln und klar definierten Entscheidungswegen.

Was ist eigentlich Künstliche Intelligenz?

Eine einheitliche Definition von Künstlicher Intelligenz gibt es bis heute nicht. Für die weitere Diskussion ist daher die Einteilung der Informatiker Stuart Russell und Peter Norvig hilfreich. Sie unterscheiden vier grundlegende Sichtweisen auf KI:

  • Nachbildung menschlichen Verhaltens: Ein System gilt als intelligent, wenn es sich ähnlich verhält wie ein Mensch.
  • Nachbildung menschlichen Denkens: Hier steht die Frage im Mittelpunkt, ob ein Computer ähnlich denkt wie ein Mensch.
  • Nachbildung rationalen Denkens: Der Schwerpunkt liegt auf logischen und vernünftigen Schlussfolgerungen.
  • Nachbildung rationalen Verhaltens: Ein System handelt so, dass es ein bestimmtes Ziel möglichst gut erreicht – unabhängig davon, ob es dabei wie ein Mensch denkt.

Diese systematische Einteilung zeigt, dass sich hinter dem Begriff Künstliche Intelligenz unterschiedliche Vorstellungen verbergen. Oft wird KI vereinfacht als der Versuch beschrieben, menschliche Intelligenz nachzubilden. Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz und entspricht nur einem Teil der möglichen Definitionen.

icon Warum sollte ausgerechnet der Mensch der einzige Maßstab für Intelligenz sein? Auch Tiere zeigen intelligentes Verhalten, etwa bei der Orientierung, der Nahrungssuche oder der Zusammenarbeit in Gruppen. Ein technisches System könnte ähnliche Fähigkeiten besitzen, ohne dabei wie ein Mensch zu denken oder zu handeln.

Deshalb konzentrieren sich viele moderne KI-Definitionen weniger darauf, menschliches Verhalten nachzuahmen. Stattdessen steht häufig die Frage im Mittelpunkt, ob ein System vernünftige Entscheidungen treffen und seine Ziele möglichst erfolgreich erreichen kann. Diese Sichtweise entspricht der Kategorie des rationalen Verhaltens und bildet heute die Grundlage vieler KI-Systeme.

Die ersten KI-Anwendungen

Die ersten KI-Programme waren vergleichsweise einfach. Sie arbeiteten mit festen Regeln und konnten nur klar definierte Aufgaben lösen.

Ein frühes Einsatzgebiet war das Lösen mathematischer und logischer Probleme. Die Programme konnten bekannte Regeln anwenden und daraus Schritt für Schritt neue Schlussfolgerungen ableiten.

icon Besonders bekannt wurden Schachprogramme. Der Computer analysierte mögliche Spielzüge und bewertete deren Erfolgsaussichten anhand festgelegter Regeln. Für viele Forscher galt Schach damals als guter Test für intelligentes Verhalten.

Ein weiteres bekanntes Beispiel war ELIZA aus dem Jahr 1966. Das Programm simulierte ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten. Obwohl ELIZA die Bedeutung der Aussagen nicht verstand, hatte es auf viele Menschen den Eindruck, als würde der Computer tatsächlich zuhören und antworten.

icon Aus heutiger Sicht wirken diese Systeme oft eher wie umfangreiche Regelwerke als wie geheimnisvolle Maschinen mit eigenem Bewusstsein. Dennoch waren sie ein wichtiger Meilenstein. Zum ersten Mal konnten Maschinen Aufgaben übernehmen, die zuvor als typisch menschliche Denkleistungen galten. Damit legten die frühen KI-Konstrukte den Grundstein für die weitere Entwicklung der Künstlichen Intelligenz.

Schon damals gab es allerdings auch Forscher, die nach anderen Ansätzen suchten. Statt immer mehr Regeln vorzugeben, wollten sie Maschinen entwickeln, die selbst lernen können. Diese Entwicklung betrachten wir in einem späteren Artikel.

Fazit

Die Grundideen der Künstlichen Intelligenz sind also keineswegs neu. Schon in den 1950er-Jahren beschäftigten sich Forscher mit Systemen, die Informationen aus ihrer Umgebung aufnehmen, Entscheidungen treffen und anschließend handeln.

Viele dieser Systeme lassen sich als einfache Agenten beschreiben, die nach diesem Prinzip arbeiteten.

Die obigen Beispiele zeigen außerdem, dass die Grenzen zwischen Künstlicher Intelligenz, Automatisierung sowie Mess- und Regeltechnik nicht immer eindeutig gezogen werden können. Welche Systeme als KI bezeichnet werden, hängt oft auch von der gewählten Definition ab.

Die Idee, Maschinen selbstständig Probleme lösen und Entscheidungen treffen zu lassen, begleitet die Informatik bereits seit vielen Jahrzehnten. Damit ist KI eben keine Erfindung der letzten Jahre, sondern blickt auf eine lange und spannende Geschichte zurück.

Auch das Saarland spielt in dieser Geschichte eine wichtige Rolle. Mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) befindet sich in Saarbrücken einer der bedeutendsten KI-Forschungsstandorte Deutschlands.


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